Kurz gesagt: Fasten ist wieder ein großes Thema in der Forschung. Beim klassischen Heilfasten nach Buchinger gehört frisch gepresster Bio-Saft fest dazu. In der bisher größten Beobachtungsstudie mit 1.422 Fastenden sanken Gewicht, Bauchumfang und Blutdruck, und das Wohlbefinden stieg. Die Wissenschaft erklärt das nicht mit „Entgiftung", sondern mit einer Umstellung des Stoffwechsels, dem „metabolischen Switch". Für Gesunde eignen sich kurze Saftfastentage auch zu Hause. Wer krank ist, fastet mit ärztlicher Begleitung.
Fasten hat eine lange Tradition, und auch die Forschung beschäftigt sich intensiv damit. Zwei neue ARTE-Dokumentationen zeigen, wie Ärzt:innen und Kliniken das Fasten heute einsetzen. Wir haben uns angesehen, was die Studien sagen, welche Rolle Saft dabei spielt und warum seriöses Fasten ohne das Wort „Detox" auskommt.
Fasten in der Forschung: zwei aktuelle Dokumentationen
In Le jeûne, enquête sur un phénomène (ARTE, 2024) begleiten Thierry de Lestrade und Sylvie Gilman einen 50-Jährigen bei einem 14-tägigen Fasten in einer deutschen Klinik. Parallel stellen sie Studien aus den USA, Deutschland und Italien vor. Die Forschenden im Film sehen viel Potenzial, betonen aber auch, dass Fasten kein Wundermittel ist und Fastenkuren gut begleitet sein sollten.
Die Reportage Re: Mit Fasten gegen chronische Krankheiten (NDR/ARTE, 2026, online bis 12.10.2027) begleitet zwei Frauen mit chronischen Erkrankungen. Eine von ihnen fastet regelmäßig nach Buchinger, auch unter ärztlicher Aufsicht in einer Klinik am Bodensee. Die andere hat mit Saftfasten angefangen und wird jetzt in einer Berliner Klinik behandelt. Der Film fragt, was die Wissenschaft dazu sagt.
Heilfasten nach Buchinger: Saft gehört dazu
Das Heilfasten nach Buchinger geht auf den Arzt Otto Buchinger zurück. Wie ein Fastentag in der Klinik aussieht, beschreibt die große Studie aus der Buchinger-Wilhelmi-Klinik genau (Wilhelmi de Toledo et al., PLOS ONE 2019):
- Mittags: 250 ml frisch gepresster Bio-Obst- oder -Gemüsesaft
- Abends: 250 ml Gemüsesuppe
- Über den Tag: rund 3 Liter Wasser oder ungesüßter Kräutertee, wahlweise mit etwas Honig
- Insgesamt: etwa 200 bis 250 kcal pro Tag, dazu leichte Bewegung wie Spaziergänge und Gymnastik
Nach dem Fasten wird das Essen über mehrere Tage schrittweise wieder aufgebaut. Saft ist beim Buchinger-Fasten also kein Beiwerk, sondern ein fester Teil des Tages.
Was die bisher größte Fastenstudie zeigt
Für die 2019 in PLOS ONE veröffentlichte Studie wurden 1.422 Menschen ein Jahr lang begleitet, die zwischen 4 und 21 Tagen nach Buchinger fasteten. Zu den Autor:innen gehört der Berliner Fastenforscher Prof. Andreas Michalsen. Die Ergebnisse:
- Gewicht, Bauchumfang und Blutdruck sanken deutlich.
- Blutfette und Blutzuckerwerte veränderten sich günstig, und es bildeten sich Ketonkörper, ein Zeichen für die Umstellung des Stoffwechsels.
- Das körperliche und das seelische Wohlbefinden stiegen.
- 93,2 % der Teilnehmenden berichteten von keinem Hungergefühl.
- Von 404 Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden berichteten 341 (84,4 %) von einer Verbesserung.
- Nebenwirkungen traten bei weniger als 1 % auf.
Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass Buchinger-Fasten von 4 bis 21 Tagen sicher und gut verträglich ist. Zur Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe in einer spezialisierten Klinik mit ärztlicher Betreuung. Sie zeigt, was dort beim Fasten passiert ist, aber nicht, was jede einzelne Person zu Hause erwarten kann.
Was beim Fasten im Körper passiert: der „metabolische Switch"
Normalerweise nutzt der Körper vor allem Zucker (Glukose) als schnelle Energiequelle. Sind diese Speicher nach einiger Zeit ohne Essen aufgebraucht, stellt er um und gewinnt Energie zunehmend aus Fett. Dabei entstehen Ketonkörper. Die Forscher Rafael de Cabo und Mark Mattson nennen diese Umstellung in einer viel zitierten Übersichtsarbeit im New England Journal of Medicine (2019) den „metabolischen Switch". In Tierversuchen zeigte Fasten dort eindrucksvolle Effekte. Studien am Menschen laufen meist erst über einige Monate, und die Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden.
Die ARTE-Dokumentation stellt außerdem die Autophagie vor: ein körpereigenes Programm, mit dem Zellen beschädigte Bestandteile abbauen und wiederverwerten.
Warum wir trotzdem nicht von „Detox" sprechen
Gerade weil die Forschung zum Fasten so spannend ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die Begriffe. Die Wissenschaft erklärt die Effekte des Fastens mit der Umstellung des Stoffwechsels und nicht mit dem „Ausleiten von Giftstoffen". Denn ein gesunder Körper reinigt sich laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung selbst, über Leber, Nieren, Darm, Haut und Atmung (DGE).
Dazu kommt das Recht: Nach Urteilen des Bundesgerichtshofs von 2017 darf mit „Detox" für Lebensmittel nicht geworben werden, weil es dafür keinen zugelassenen gesundheitsbezogenen Claim gibt (Verbraucherzentrale). Deshalb heißen unsere Kuren Saftkuren und nicht „Detox-Kuren". Uns ist wichtig, dass du weißt, was wirklich hinter dem Fasten steckt.
Saftfasten zu Hause: so geht es gut
Die DGE schreibt, dass Heilfasten von Gesunden zur Krankheitsprävention, zum Einstieg in eine Gewichtsabnahme und zur Therapie bei bestimmten Krankheiten angewendet werden kann. Für eine sichere Durchführung soll es von Ärzt:innen oder Therapeut:innen betreut werden (DGE: Heilfasten). Für zu Hause heißt das:
- Klein anfangen: Ein oder wenige Safttage sind ein guter Einstieg.
- Vorbereiten und gut aufbauen: Leichte Kost vorher und nachher macht es dir leichter. Tipps findest du in Starte deine Saftkur und Nach der Saftkur.
- Viel trinken: Wasser und Kräutertee gehören zwischen die Säfte, genau wie beim Buchinger-Fasten.
- In Bewegung bleiben, aber sanft: Spaziergänge statt Höchstleistung.
- Ärztlich abklären: Wenn du Medikamente nimmst, eine chronische Erkrankung hast oder länger fasten möchtest. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollten nicht fasten.
Mehr zum Ablauf liest du in Richtig Fasten: Die 3 Phasen zum Erfolg und in unseren 12 häufigsten Fragen zur Saftkur.
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Unser Fazit
Fasten ist weit mehr als ein Trend: Kliniken setzen es ein, und die Forschung liefert immer mehr Daten dazu. Beim Heilfasten nach Buchinger ist frisch gepresster Saft fester Bestandteil. Die Effekte erklärt die Wissenschaft mit dem Stoffwechsel und nicht mit „Detox". Wenn du gesund bist, kannst du mit ein paar Safttagen zu Hause einen eigenen Einstieg finden. Wenn du krank bist, ist Fasten mit ärztlicher Begleitung der richtige Weg.
Quellen: Wilhelmi de Toledo F. et al.: Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLOS ONE, 2019 · de Cabo R., Mattson M. P.: Effects of Intermittent Fasting on Health, Aging, and Disease. N Engl J Med 2019;381:2541–2551 · ARTE – Re: Mit Fasten gegen chronische Krankheiten (2026) · ARTE – Le jeûne, enquête sur un phénomène (2024) · DGE – Heilfasten · DGE – Entgiftungsdiäten · Verbraucherzentrale – Detox. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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